Sylt … versnobt? Überteuert? Schlichtweg übertrieben? So oder so ähnlich waren meine Vorurteile vor meinem ersten Sylt-Besuch. Doch dann entschlossen sich zwei Freunde dazu, sich am Strand von Sylt das Ja-Wort zu geben und ich wurde gefragt, ihre Trauzeugin zu sein.

Mit Meeresluft in der Nase stieg dann doch bei der Fahrt über den Hindenburgdamm die Vorfreude. Wir selbst wohnten in Keitum, dem mit Abstand schönsten Dorf der Insel. Pittoreske, reetgedeckte Häuser bilden den Charme dieses alten Kapitänsdorfs, das einst den Hauptort der Insel bildete, bevor alle an die Westküste zu den großen Stränden pilgerten. Keitum ist ein Irrgarten aus kleinen Sträßchen, die von alten, hohen Bäumen gesäumt werden und historischen Häuschen, deren blühende Vorgärten mit ihrer Farbenpracht begeistern. Vom Watt her weht ein beharrlicher Wind und wenn man an der Megalithanlage Harhoog steht, welche mehr als 5.000 Jahre alt ist, und der Blick im Abendrot zum Horizont schweift, spürt man die Magie, die diesen Ort bereits in der Steinzeit umgeben hat.

Die Hochzeit unserer Freunde fand am Strand in Wenningstedt statt. Es hätte keinen besseren Ort für ihr Eheversprechen geben können. Barfuß und im weißen Kleid mit einem Strauß aus Dünengras und Muscheln schritt meine Freundin über den Strand zu ihrem Mann und uns wartenden Hochzeitsgästen – begleitet von der romantischen Gitarrenmusik eines Sylters mit wildem Haar. Getraut wurden die beiden von Pfarrer Rainer Chinnow, der mit seiner kleinen Kirchengemeinde auf Sylt  bereits selbst zu einer der Sehenswürdigkeiten der Insel gehört. Eine Messe mit ihm muss man erlebt haben. Er reißt die Menschen mit und ist dabei alles andere als konventionell. Für meine Freunde war es der perfekte Augenblick sich in Wenningstedt am Strand das „Ja“ Wort zu geben und für mich eine besondere Ehre, Teil dieses Moments zu sein.

Sylt hat mich begeistert und ein Lieblingsort jagte den anderen. Genial war eine Wanderung rund um das Morsum Kliff, bei der ein Mittagessen im Landhaus SEVERIN´S nicht fehlen durfte.  Unberührte Natur erwartete uns am „Ellenbogen“, dem nördlichsten Punkt Deutschlands. Besonders begeistert war ich allerdings auch von den Stränden, die trotz Hochsaison nicht voll wirkten. Und mit etwas Suchen fanden wir in Hörnum sogar einsame Strandabschnitte mit fast karibisch blauem Wasser. Und wenn doch einmal Langeweile aufkommt, kann man zu den Liegebänken der Robben rausfahren, die einzigartigen Halligen am Rande der Naturgewalten besuchen oder den anderen nordfriesischen Inseln einen Besuch abstatten. Aber Achtung: Amrum hat außer tollen Stränden, die ihr auch auf Sylt findet, nicht viel zu bieten. Einziges Café am Strand ist ein altes DLRG Heim.

Sylt hat natürlich auch seine versnobten Ecken und der Luxus wird auch immer vor allem beim Blick auf die hiesigen Immobilienpreise sichtbar. Und auch Westerland ist nicht wirklich eine Inselperle. Dennoch hat Sylt sich auch seinen ursprünglichen Charme bewahrt und wartet mit (fast) unberührter Natur, viel Geschichte, Reetdächern, schönen Stränden und leckeren Restaurants auf. Anders als Amrum, das vor allem in Norddorf durch hässliche Bauten der Siebziger Jahre besticht, hat sich Sylt in großen Teilen seinen Inselcharme erhalten. Kurz gesagt: ein perfekter Ort, um den Bund des Lebens einzugehen …

Ein Bericht von Anna Carina Krebs

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